Gesundheits-Portal

Manuka Honig - Wirkung, Anwendungen und Studien

Manuka Honig - medizinisches Allroundtalent oder Plazeboeffekt?

Honig ist nicht nur für die fleißigen Honigbienen ein beliebtes Nahrungsmittel - auch vom Menschen wird die süße Delikatesse aus dem Bienenstock sehr geschätzt. Seit Jahrtausenden wird Honig in vielen Teilen der Welt als wohlschmeckende Nahrung verwendet und galt bereits im Altertum als wirksame Medizin gegen zahlreiche Leiden. Dank der modernen Medizin sank das Interesse an diesem Naturheilmittel, in den letzten Jahren erlebte die medizinische Anwendung von Honig jedoch eine kleine Renaissance. Immer mehr Menschen lassen sich von der heilsamen Wirkung des Honigs überzeugen und glauben fest an seine positive Heilwirkung. Statt schreiendbunter Chemiepillen kommt bei kleinen und großen Zipperlein erst mal das vielseitige Naturheilmittel zum Einsatz. Im Zuge dieses neu erwachten Interesses rückte mit dem Manuka Honig auch ein ganz besonderes Produkt in den Fokus, welches aus den Bienenstöcken am anderen Ende der Welt das Licht der Welt erblickt. Die Begeisterung für den Manuka Honig und seine Heilwirkung ist groß - was in unseren Breitengraden als Neuentdeckung gilt, ist für die Maori allerdings längst ein alter Hut.

Historisches rund um den Manuka Honig

Als Grundlage für die Herstellung von Manuka Honig dient den findigen Bienchen der Blütennektar der Südseemyrte. Dieses robuste Myrtengewächs ist Neuseeland und in einigen südöstlichen Regionen von Australien beheimatet. Den Maori dient die Südseemyrte seit Jahrhunderten traditionell als bewährtes Heilmittel. Rezepturen und bewährte Anwendungen wurden über viele Generationen weitergegeben und werden bis heute vielfach geschätzt. Von der Blüte über die Blätter bis zur Rinde dienen verschiedene Pflanzenteile selbst oder als Sud zur äußeren und inneren Anwendung, auch der Manuka Honig ist ein Teil dieser lebendigen Tradition. Als Captain James Cook mit der "Endeavour" im Oktober 1769 die Ostküste von Neuseeland erreichte, wurden er und seine 94-köpfige Schiffsbesatzung wenig freundlich von den einheimischen Maori begrüßt. Zu den Expeditionsmitgliedern gehörte auch der angesehene Botaniker Joseph Banks, der als erster Europäer die Maori bei der medizinischen Anwendung von unterschiedlichen Pflanzenteilen der Südseemyrte beobachtete. Trotz seiner Erkenntnisse und Beschreibungen zur medizinischen Anwendung von Pflanzensud und Teilen der Südseemyrte blieben die Heilwirkungen der Pflanze den meisten Europäern weitgehend unbekannt. Neben der Unkenntnis spielte hier sicherlich auch ein Gefühl der Überlegenheit gegenüber den vermeintlichen Wilden eine große Rolle. Manuka Honig ist im Hinblick auf die eindrucksvolle Honiggeschichte ein relativ junges Produkt. Erst im 19. Jahrhundert wurden Honigbienen nach Neuseeland gebracht. Mit dem Manuka Honig eröffnete sich den Maori eine weitere Verwendungsmöglichkeit der heilkräftigen Südseemyrte. Die von den Maori als Pakeha bezeichneten Weißen benutzten die Südseemyrte meist als Feuerholz und lehnten den Manuka Honig ab, da ihnen dessen intensiv herber Geschmack nicht zusagte. Viele Farmer verfütterten den vermeintlich minderwertigen Manuka Honig an ihre Kühe, die sich daraufhin als gesünder und robuster erwiesen. Bereits in den 1930er Jahren wurde auf einigen Farmen den Tieren mit Manuka Honig versetztes Futter vorgesetzt, um die Anfälligkeit für Krankheiten zu minimieren. Es sollten jedoch noch viele weitere Jahre ins Land gehen, ehe auch endlich die Pakeha den Manuka Honig wirklich als Heilmittel entdeckten.

Manuka Honig - Erforschung eines faszinierenden Naturprodukts

Im Jahr 1981 begann Dr. Peter Molan mit der Untersuchung der antiseptischen Eigenschaften von Manuka Honig. Er entdeckte die nonperoxid Aktivität (NPA) des Honigs, später benannte er diese in Unique Manuka Faktor (UMF) um. Von 1995 bis 2013 war er Leiter der "Honey Research Unit" an der Universität Waikato in der neuseeländischen Stadt Hamilton. Er und sein Team untersuchten die Wirkung von Manuka Honig für die Heilung von Wunden und die nonperoxid-antibakterielle Wirkung des Honigs. Der Unique Manuka Faktor (UMF) dient heute als Qualitätsmerkmal und wird vom neuseeländischen Verband Active Manuka Honey Association Inc. (AMHA) bei entsprechender Honigqualität an ausgewählte Lizenznehmer vergeben. In den körpereigenen Sekreten der Bienen ist das Enzym Glucose-Oxidase enthalten, welches die fleißigen Tierchen bei der Honigproduktion automatisch beisteuern. Der im Honig enthaltene Zucker bildet mithilfe dieses Enzyms in biochemischen Reaktionsprozessen kontinuierlich geringe Mengen Wasserstoffperoxid, die leicht antiseptisch wirken. Im Manuka Honig ist das antibakteriell wirkende Zuckerabbauprodukt Methylglyoxal (MGO) ein wesentlicher Bestandteil. Es entsteht im Verlauf der Honigproduktion durch einen katalytischen Effekt aus dem pflanzeneigenen Inhaltsstoff Dihydroxyaceton (DHA). Die später im Honig vorhandene Konzentration ist abhängig vom Dihydroxyaceton-Gehalt im Nektar. Dieser kann je nach Südseemyrte unterschiedlich hoch sein. Aus diesem Grund wird seit einigen Jahren mit der gezielten Züchtung der Pflanze experimentiert, um auf längere Sicht durch den höheren DHA-Gehalt einen Manuka Honig mit hoher Wirksamkeit produzieren zu können. Im Gegensatz zum Wasserstoffperoxid eines herkömmlichen Honigs ist das im Manuka Honig enthaltene Methylglyoxal wesentlich stabiler und wird auch durch das Erhitzen des Honigs nicht verringert. Normaler Honig besitzt einen durchschnittlichen Methylglyoxalgehalt von etwa 0 bis 20 mg/kg, dieser Wert ist bei hochwertigem Manuka Honig deutlich höher. Das Forscherteam um Prof. Dr. Henle konnte bei 61 unterschiedlichen Stichproben von neuseeländischem Manuka Honig einen Methylglyoxalgehalt von 20 bis 800 mg/kg messen. Unter der Leitung von Prof. Dr. Thomas Henle konnte im Jahr 2006 ein Forscherteam an der Technischen Universität Dresden im Manuka Honig die Hauptsubstanz Methylglyoxal und konnte deren Verantwortung für die Bioaktivität nachweisen. Die Forscher bewiesen zweifelsfrei den antibakteriellen Einfluss und stellten insbesondere die bakteriziden Eigenschaften gegen die bakteriellen Erreger Escherichia coli und Staphylococcus aureus fest.

Manuka Honig im Einsatz - Wirkung und Anwendung

Das neuseeländische Unternehmen Manuka Health New Zealand Ltd. verwendet für seinen Manuka Honig die Markenbezeichnung MGO zusammen mit einer Zahl. Diese Bezeichnung wird inzwischen von weiteren Herstellern verwendet und gibt den Mindestgehalt an Methylglyoxal (Milligramm pro Kilogramm) im Manuka Honig an. Der Wert wird von renommierten Laboren ermittelt und dient als Qualitätsmerkmal. Ein höherer Gehalt steht dabei auch für eine höhere Wirksamkeit des Honigs. Der vom neuseeländischen AMHA-Verband als Qualitätsmerkmal verliehene Unique Manuka Faktor (UMF) darf ausschließlich von berechtigten Lizenznehmern für in Neuseeland abgefüllten Manuka Honig verwendet werden. Manuka Honig wird inzwischen gegen eine Vielzahl von Erkrankungen eingesetzt und kann neben der oralen Einnahme auch äußerlich angewendet werden. Bei leichteren Erkrankungen wie grippalen Infekten, Halsschmerzen oder Husten wird mindestens dreimal am Tag je ein Teelöffel Manuka Honig eingenommen und für längere Zeit im Mund behalten. Auch bei Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes kann die antibakterielle Wirkung von Manuka Honig sich positiv auf die Gesundung des Patienten auswirken. Erkrankungen wie Magengeschwüre oder Magenschleimhautentzündungen werden häufig durch wie Staphylococcus aureus oder Escherichia coli ausgelöst. Die Wirksamkeit von Manuka Honig gegen diese Erreger wurde in wissenschaftlichen Studien zweifelsfrei festgestellt. Neben der Bekämpfung von bakteriellen Erregern kann Manuka Honig auch bei Pilzerkrankungen eingesetzt werden. Er besitzt eine antimykotische Wirkung und eignet sich zur inneren und äußeren Behandlung. Gute Ergebnisse wurden beispielsweise bereits bei der Behandlung von Schuppenflechte, Fußpilz oder dem Befall von Candida albicans festgestellt. Auch gegen Sodbrennen kann die Einnahme von einem Esslöffel Manuka Honig rund eine halbe Stunde vor jeder Mahlzeit ein wirksames Mittel sein. Erstaunlicherweise besitzt der Manuka Honig auch eine antikariogene und entzündungshemmende Wirkung, die sich positiv auf eine gesunde Mundflora auswirkt.

Wundbehandlung und äußere Anwendung

Manuka Honig wird äußerlich gegen unzählige Erkrankungen eingesetzt, das Behandlungsfeld reicht von der Aknebehandlung über die Versorgung von Schnitt- und Brandwunden bis zum Einsatz von schlecht heilenden Wunden, gegen die herkömmliche Arzneimittel wie moderne Antibiotika meist machtlos sind. Dem Naturprodukt Manuka Honig wird eine hohe Wirksamkeit bei der Behandlung von MRSA-Patienten nachgesagt. Hinter der Abkürzung MRSA verbirgt sich ein Erreger mit dem wissenschaftlichen Namen Methicillin-resistant Staphylococcus aureus. Diese Bakterien gehören zur Art Staphylococcus aureus, sind jedoch multiresistent gegen die gängigsten Antibiotika. Seit August 2005 gibt es mit "Medihoney" ein europaweit vertriebenes Medizinprodukt zur Wundpflege und Behandlung von Brandwunden. Auch bei einigen Krebspatienten wird Medihoney zur Behandlung von Infektionen verwendet, die im Rahmen einer Chemotherapie entstehen können. In einigen Kliniken wird dieses Medizinprodukt zur Wundbehandlung bereits mit Erfolg eingesetzt, ein gutes Beispiel in Deutschland ist die Kinderabteilung der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn. Während die orale Einnahme von Manuka Honig für Diabetiker nur nach vorheriger Absprache mit dem behandelnden Arzt erfolgen sollte, konnte die äußerliche Anwendung auch bei dieser Patientengruppe bereits vielfach überzeugen. So wird beispielsweise an einer Klinik in Berlin der Manuka Honig zur Behandlung des diabetischen Fußsyndroms eingesetzt.

Fazit - wirksame Medizin aus der Natur

Viele Skeptiker lassen sich hierzulande noch immer nur mit Fakten, Studien und nackten Zahlen überzeugen. Die Wirkamkeit von Manuka Honig wurde durch zahlreiche Studien bestätigt, einer der wichtigsten Forscher zu diesem Thema war Dr. Molan aus Neuseeland. Er beschäftigte sich hauptsächlich mit der antibakteriellen Wirkung von Manuka Honig. Auch der neuseeländische Arzt Dr. Zareie veröffentlichte eine Reihe von Forschungsergebnissen, er erforschte den Einsatz von Manuka Honig bei Infektionen der oberen Atemwege von Kindern. Die überzeugendste Wirkung besitzt Manuka Honig jedoch eindeutig bei der Bekämpfung von Infektionen mit antibiotikaresistenten Erregern. Häufig ist die Behandlung mit dem Naturprodukt die einzige Hoffnung auf Heilung für MRSA-Patienten. Allgemeingültige Aussagen über die Wundheilung können jedoch nicht getroffen werden. So stellte die Cochrane Collaboration im Jahr 2015 fest, dass sich aufgrund der großen Unterschiede der Wundarten keine generellen Schlussfolgerungen bezüglich der Wirkung ziehen lassen. So rät die Deutsche Gesellschaft für Wundheilung und Wundbehandlung e.V. beispielsweise in einer Leitlinie explizit von der lokalen Behandlung von chronischen Wunden ab. Als Grund wurden hier die Schmerzen genannt, die bei der Behandlung offener Wunden mit Manuka Honig entstehen können und auf den hohen Gehalt von Methylglyoxal zurückgeführt werden. Gegen eine Manuka-Honig-Behandlung von leichteren Erkrankungen wie einem grippalen Effekt gibt es sicher keine Einwände. Achten Sie beim Kauf des Produktes jedoch unbedingt auf die entsprechenden Prüfsiegel zum Methylglyoxal-Gehalt (MGO oder UMF), die ein gutes Indiz für hohe Qualität sind. Vor der Eigenbehandlung von Wunden mit Manuka Honig oder dem in der Apotheke frei erhältlichen Medihoney sollten Sie jedoch gegebenenfalls den Arzt Ihres Vertrauens befragen.