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Lachsöl - Wirkung, Anwendung und Studien

Gesunder Lachs nun auch in Öl

Lachsöl - gesundes Wundermittel oder wirkungsloser Scharlatan?

Die Begeisterung für die gesundheitlichen Auswirkungen von Lachsöl ist groß. Aber dem Lager mit begeisterten Lachsöl-Fans steht ein Heer von Skeptikern gegenüber. Jede Seite nennt passende Studien für die eigene Überzeugung und eine Versöhnung ist scheinbar noch lange nicht in Sicht. Ist Lachsöl wirklich so gesund oder hat es keinerlei positive Auswirkungen auf unsere Gesundheit? Vielleicht ist es wie so oft im Leben - möglicherweise liegt die Wahrheit irgendwo zwischen diesen beiden Gegensätzen. Wir bringen Ihnen Herstellung, Anwendung und Wirkung von Lachsöl näher und beleuchten eingehend die wissenswerten Fakten rund um das ölige Gesundheitsprodukt.

Ohne Lachs kein Öl

Eines dürfte wohl wenig überraschend für Sie sein - das Lachsöl stammt wirklich vom Lachs. Er ist einer der beliebtesten Speisefische und gehört zu den sogenannten Fettfischen. Im Gegensatz zu den schlankeren Weißfischen besitzt ein Lachs einen Fettanteil von rund 13 Gramm pro 100 Gramm Gewicht. Aber ehe sich jetzt die Angst vor dem bösen Fett ausbreitet, können wir Sie beruhigen - die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt ausdrücklich den Verzehr von Seefisch, da dieser besonders reich an Omega-3 Fettsäuren ist. Somit ist auch der Gehalt dieser wertvollen Fettsäuren im Lachsöl entsprechend hoch.

Ob Wildfang oder braves Zuchtexemplar - der Lachs stellt das begehrte Lachsöl in aller Regel nur selten freiwillig zur Verfügung. Also muss sich der Mensch wohl oder übel selbst um die Lachsöl-Produktion kümmern. Zur Gewinnung der begehrten Flüssigkeit wird der gefangene Lachs nach seinem unfreiwilligen Ableben zusammen mit anderen Leidensgenossen leicht erwärmt und anschließend gepresst. Dieser Schritt ist im Hinblick auf den Erhalt eines möglichst hohen Omega-3-Gehalts etwas kritisch, da dieser durch zu hohe Temperaturen minimiert werden kann. Einige Hersteller achten bei der Herstellung von Lachsöl auf eine Verarbeitung in sauerstofffreier oder möglichst sauerstoffarmer Umgebung. Sauerstoff begünstigt die Oxidation, die für den unerwünschten Fischgeruch verantwortlich ist und zusätzlich den Geschmack beeinträchtigt.

Wildfänge enthalten aufgrund ihrer Ernährung meist Asthaxantin. Dieses Carotinoid ist maßgeblich verantwortlich für die typische Farbe des Lachses. Da Zuchttiere aus Aquakulturen häufig nicht artgerecht ernährt werden, wird die erwünschte Färbung vielfach mit Futterzusätzen erreicht, die dieses Astaxanthin enthalten. Lachsöl von Wildlachsen gilt aufgrund der natürlichen Ernährung der Tiere als deutlich hochwertiger, da es nachweislich einen höheren Anteil an wertvollen Omega-3 Fettsäuren hat. Leider sind im Fett der Fische unterschiedliche Schadstoffe wie Dioxine, PCB oder Schwermetalle gespeichert. Der prozentuale Anteil an Schadstoffen kann schwanken, findet sich jedoch bei Wildfängen und Zuchttieren gleichermaßen. Aus diesem Grund muss das gewonnene Rohöl im nächsten Schritt nach der Gewinnung von diesen schädlichen Inhaltsstoffen befreit werden. Dies geschieht in der Regel durch die sogenannte Molekulardestillation oder Kurzwegdestillation. Aufgrund der relativ geringen Temperaturen gilt dieses thermische Trennverfahren als schonende Möglichkeit, die einen bestmöglichen Erhalt der Omega-3 Fettsäuren gewährt. Allerdings wird dem Lachsöl laut Ansicht vieler Kritiker neben den Schadstoffen auch ein großer Teil der Mikronährstoffe entzogen.

Lachsöl - reichhaltige Inhaltsstoffe

Das Lachsöl besteht aus Triglyceriden, bei denen es sich um die dreifachen Ester des dreiwertigen Zuckeralkohols Glycerin handelt. Rund 22 Prozent leiten sich von gesättigten, 43 Prozent von einfach ungesättigten Fettsäuren und 35 Prozent der Triglyderide leiten sich von mehrfach ungesättigten Fettsäuren ab. Zu ihnen gehören die lebensnotwendigen Omega-3 Fettsäuren, die in Lachs und Lachsöl überwiegend als Docosahexaensäure (DHA) und Eicosapentaensäure (EPA) enthalten sind. Der Anteil liegt bei etwa ein bis zwei Prozent pro 100 Gramm Lachs. Der Lachs kann DHA und EPA selbst synthetisieren, nimmt jedoch einen großen Teil dieser Fettsäuren auch über die Nahrung auf.

Wildfänge enthalten aufgrund ihrer natürlichen Ernährung einen hohen Anteil an Asthaxantin. Dieses Carotinoid ist maßgeblich verantwortlich für die typische Farbe des Lachses, die sich in der freien Wildbahn von kleinen Krebstierchen ernähren. Diese ernähren sich wiederum von Grünalgen, die für die Produktion von Asthaxantin verantwortlich sind. Da Zuchttiere aus Aquakulturen an dieser Nahrungskette nicht teilnehmen können und daher auch nicht artgerecht ernährt werden, wird die erwünschte Färbung durch einen Zusatzstoff im Fischfutter erreicht. Astaxanthin ist im zugelassenen Futtermittelzusatzstoff (E 161j) enthalten. Lachsöl von Wildlachsen gilt aufgrund der natürlichen Ernährungsweise der Tiere als deutlich hochwertiger.

Astaxanthin zählt zu den natürlichen Antioxidantien. Dies sind chemische Verbindungen, die Oxidationen anderer Substanzen deutlich verlangsamen oder sogar komplett verhindern können. Im Lachsöl ist auch ein kleiner Anteil an Vitamin E enthalten, dem ebenfalls eine antioxidative Wirkung bescheinigt wird. In dieser Hinsicht ist jedoch das Astaxanthin wesentlich bedeutsamer, da sein Anteil im Lachsöl deutlich über dem Vitamin-E-Gehalt liegt. Astaxanthin gilt derzeit als eines der wirkungsvollsten Antioxidantien, dem vielfach eine positive Wirkung gegen freie Radikale und DNA-schädliche Stoffe nachgesagt wird. Es soll beispielsweise die Haut vor Stress schützen, der durch UV-Strahlen ausgelöst wird und in dieser Hinsicht auch die Schutzwirkung von Sonnenschutzmitteln ergänzen. Neben den leistungssteigernden, immunstimmulierenden und antidiabetischen Wirkungen, wird das im Lachsöl enthaltene Astaxanthin in klinischen Studen derzeit auch auf krebsvorbeugende Eigenschaften untersucht. Eindeutige Forschungsergebnisse stehen in diesem Bereich jedoch bisher noch aus.

Astaxanthin & Omega-3 Fettsäuren - gesünder dank Lachsöl?

Wird das fettlösliche Astaxanthin zusammen mit Omega-3 Fettsäuren eingenommen, verbessert dies bei beiden Wirkstoffen die Aufnahme im Körper. Ebenso wie das antioxidativ wirkende Astaxanthin gelten auch die Omega-3 Fettsäuren als gesundheitsfördernd. Es soll beispielsweise den Triglycerid- und LDL-Cholesterinspiegel im Blut senken und somit Bluthochdruck entgegenwirken sowie das Risiko für viele Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Arteriosklerose deutlich senken. Des Weiteren gelten verbesserte Fließeigenschaften des Blutes sowie entzündungshemmende Auswirkungen als positive Eigenschaften der in Lachsöl enthaltenen Omega-3 Fettsäuren. Einige Studien konnten diese positiven Effekte teilweise auch bereits nachweisen. Dazu zählt beispielsweise der sogenannte Gissi-Prevention-Trial. Hier zeigten die Ergebnisse, dass Mittel mit hoher Omega-3-Konzentration eine schützende Wirkungsweise bei Patienten mit ersten Symptomen einer Herz-Kreislauf-Erkrankung haben.

Die Forschung steckt jedoch noch eindeutig in den Kinderschuhen und viele der Auswirkungen auf den Menschen sind bisher noch nicht ausreichend belegt. Dieser Auffassung ist auch die europäische Lebensmittelbehörde (EFSA). Diese sieht bisher im Hinblick auf Astaxanthin keine relevante Wirksamkeit (physiologisch und/oder gesundheitlich), die durch klinische Studien eindeutig bewiesen werden konnte. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) nahm diese sowie vergleichbare Studien jedoch zum Anlass für eine Empfehlung. Demnach können sich nach Ansicht der DGE Fisch, Lachsöl und andere Fischöle sowie weitere Präparate Omega-3-Fettsäuren in frühen Stadien von Herz-Kreislauf-Erkrankungen positiv auswirken. Aus diesem Grund spricht sich die DGE für einen Verzehr von ein bis zwei Portionen Fisch pro Woche sowie für die Aufnahme von DHA und EPA aus. Als ideal gilt hier eine tägliche Dosis von 250 Milligramm.

Da der menschliche Körper diese wertvollen ungesättigten Fettsäuren für eine ganze Reihe unterschiedlicher Funktionen benötigt, jedoch nicht selbst herstellen kann, ist der Mensch auf die Aufnahme der Omega-3 Fettsäuren durch die Nahrung angewiesen. Sie sind unverzichtbar für die Hirnfunktion und werden beispielsweise auch für die Hormonproduktion, den Zellstoffwechsel sowie für die Bildung körpereigener Abwehrzellen benötigt.

Wirkung und Anwendung von Lachsöl

Das Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (Dife) sieht die Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) als durchaus vertretbar an, hält die Datenlage zu den Omega-3 Fettsäuren in Lachsöl und anderen Präparaten jedoch nicht für eindeutig. Als gesichert gilt laut Ansicht des Instituts jedoch, dass Omega-3-Fettsäuren das Risiko für Koronare Herzerkrankungen senken, da sie die Konzentrationen von Triglyceriden im Blut niedrig halten. Somit gilt also die Einnahme von Lachsöl- und weiteren Omega-3-Präparaten als mögliche Schutzmaßnahme vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Der positive Effekt konnte in den bisherigen Studien also weder eindeutig bewiesen noch widerlegt werden.

Häufig findet sich auch der Hinweis auf einen positiven Effekt der Omega-3 Fettsäuren im Hinblick auf das Risiko für Demenzerkrankungen wie Alzheimer. Die in Lachsöl in hoher Konzentration enthaltenen Wirkstoffe EPA und DHA können nach Erkenntnis von US-Forschern als maßgeblicher Schutz vor diesen gefürchteten Erkrankungen dienen. Eine aktuelle Studie des Fachmagazins Neurology untermauerte diese Annahme. Die Forscher untersuchten über einen Zeitraum von acht Jahren regelmäßig eine Gruppe von 1.111 Frauen im Alter zwischen 65 und 80 Jahren. Nach Ansicht der Wissenschaftler geht eine erhöhte Aufnahme von EPA und DHA mittels Lachsöl oder vergleichbarer Präparate mit einem größeren Gehirnvolumen einher. Aus der Demenzforschung ist bekannt, dass ein reduziertes Gehirnvolumen ein maßgeblicher Faktoren für die Entstehung von Alzheimer ist. Die Ergebnisse weiterer Studien zu den Auswirkungen von Lachsöl sowie vergleichbaren Omega-3-Mitteln auf den Schutz vor Demenzerkranken stehen derzeit noch aus.

Für überzeugte Lachsöl-Anhänger ist die regelmäßige Einnahme untrennbar mit einem hohen Gesundheitsbewusstsein verbunden. In der Regel wird das vermeintliche Wundermittel als Lachsöl-Kapseln eingenommen, die in Apotheken und Drogerien erhältlich sind. Inzwischen sind sogar Supermärkte und Discounter auf das Gesundheitsprodukt aufmerksam geworden, daher finden sich auch dort die unterschiedlichsten Produkte. Dem Lachsöl wird eine ganze Reihe von positiven Eigenschaften unterstellt. Dazu zählen neben dem Schutz vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen auch die Senkung des Cholesterinspiegels, die Vorbeugung von Arteriosklerose, die Linderung von Augenerkrankungen oder die Behandlung von ADHS.

Bei der Behandlung von ADHS werden Lachsöl und andere Omega-3- und Omega-6-Präparate vielfach als natürliche Alternative zu Ritalin & Co. gehandelt. Es sollte bei der Anwendung jedoch darauf geachtet werden, dass nicht die Lachsöl-Menge entscheidend ist. Wichtig ist hier der in den verwendeten Lachsöl-Präparaten enthaltene Gehalt von Vitamin E, EPA und GLA. Die empfohlenen Richtwerte für die tägliche Einnahme von Lachsöl-Mitteln liegen bei 10 Milligramm Vitamin E, 60 Milligramm GLA und mindesten 180 Milligramm EPA. Einige Studien legen die Vermutung nahe, dass die Einnahme von Lachsöl langfristig zu einer verbesserten Konzentrationsfähigkeit sowie verminderter Hyperaktivität führen kann. Gesicherte Erkenntnisse zum positiven Effekt von Lachsöl stehen jedoch auch in dieser Hinsicht noch aus.

Fazit zum Lachsöl - eindeutige Beweise für die Wunderwirkung fehlen

Dem Lachsöl werden eine ganze Reihe positiver Effekte auf unsere Gesundheit unterstellt. Im Hinblick auf den Schutz vor Demenz und Herz-Kreislauf-Erkrankungen spricht auch vieles für eine gesunde Wirkungsweise von Lachsöl. Allerdings stehen eindeutige Beweise durch Experten-Studien bisher noch aus, da die Forschung dahingehend erst begonnen hat. Übrigens dient Lachsöl nicht nur für Menschen als beliebtes Nahrungsergänzungsmittel - auch viele Tierhalter schwören auf die positiven Effekte von Lachsöl und geben es ihrem vierbeinigen Liebling als Zusatz zum täglichen Futter. Im Grunde werden im tierischen und menschlichen Bereich, die gleichen Gesundheitseffekte genannt. Allerdings versprechen sich Herrchen und Frauchen für Ihre Lieblinge vom Lachsöl auch Hilfe bei Fellproblemen. Da die meisten Menschen jedoch nur über wenig Fell verfügen, kann dieser Effekt bei der menschlichen Verwendung von Lachsöl getrost vernachlässigt werden. Ebenso wie bei den gesundheitlichen Wirkungsweisen für den Menschen fehlen jedoch auch bei den Tieren endgültige Beweise für den positiven Gesundheitseffekt von Lachsöl.

Viel hilft viel - diese Aussage muss in vielen Bereichen ins Märchenland verbannt werden, das gilt auch bei der Einnahme von Lachsöl. Eine übermäßige Einnahme von Lachsöl-Kapseln kann zu Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit und Durchfall führen. Hier greift offensichtlich eine Erkenntnis, die der weise Paracelsus bereits im 15. Jahrhundert erkannt hatte - die Dosis macht das Gift. Von einer übermäßigen Einnahme der Lachsöl-Kapseln haben Sie somit vermutlich eher negative als positive Effekte. Auch kann es in der Anfangszeit nach Berichten von einigen Konsumenten zu leichten Kopfschmerzen kommen, die dann jedoch nach einigen Tagen der Einnahme wieder verschwinden. Ob diese mit dem Lachsöl in Verbindung stehen, kann bisher nicht eindeutig bewiesen werden.

Eine erhöhte Einnahme von Lachsöl bedeutet nicht automatisch, dass Sie quietschvergnügt und ohne Gesundheitsprobleme ein bibliches Alter erreichen. Schaden kann die Einnahme in verträglichen Dosen vermutlich jedoch nicht, denn auch schädliche Auswirkungen wurden bisher nicht nachgewiesen. Wenn Sie zum Wohle Ihrer Gesundheit die Verwendung von Lachsöl anstreben, sollten Sie vorab mit dem Hausarzt Ihre Vertrauens sprechen. Wenn er keine Einwände erhebt, spricht auch nichts gegen die Einnahe von Lachsöl-Präparaten.