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Ingwer - Wirkung, Anwendung und Studien

Ingwer in der Medizin

Ingwer - das vielseitige Antibiotikum aus der Natur

Ingwer, gern auch als Imber, Immerwurzel, Ingwerwurzel oder Ingber bezeichnet, ist ein Gewächs aus der gleichnamigen Gattung der Ingwergewächse. Häufig in der Küche zum Würzen verwendet, ist Ingwer in der Praxis aber vielseitig einsetzbar und wird folglich auch von Pharmazeuten und in der Homöopathie angewandt. Der gesunden Knolle werden eine heilende Wirkung und viele positive Effekte auf den menschlichen Körper nachgesagt, welche durch mehrere Studien und Experten gestützt werden.

Verbreitung vom Ingwer

Bevor der wertvolle Ingwer als Hausmittel eingesetzt werden kann, muss er erst aus der Natur gewonnen werden. Ingwer findet sich vor allem im tropisch und subtropisch geprägten Klima, beispielsweise in China, Vietnam, Indien oder Indonesien, zu geringen Teilen aber auch in Frankreich oder Südamerika. Eine exakte Heimat vom Ingwer konnte bis heute nicht beziffert werden, wobei die gewonnenen Erkenntnisse vor allem auf Sri Lanka oder eine Auswahl der pazifischen Inseln hindeuten. Am weitesten ist der Ingwer in Indien verbreitet, hier werden jährlich mehr als 250.000 Tonnen der kostbaren Pflanze gewonnen.

Die krautige Pflanze kann in ihrer natürlichen Umgebung eine Wuchshöhe von rund 50 bis 150 cm erreichen. Sie ist gezeichnet durch einen dicken, kräftigen Stängel und lange Laubblätter. Schon als Pflanze verfügt Ingwer über einen sehr aromatischen Duft, direkt beim ersten Abschmecken kommt es außerdem zu einem sehr scharfen und würzigen Geschmack, welchen der Ingwer auch später nach seiner Verarbeitung nicht verliert. Besonders kostbar, aus medizinischer Sicht und als Hausmittel, sind die Knolle und direkt umliegende Bereiche.

Zusammensetzung und Wirkung von Ingwer

Insgesamt befinden sich in der gesunden Knolle mehr als 160 erforschte Inhaltsstoffe, darunter beispielsweise Eisen, Vitamin C und Vitamin B6 aber auch Kalzium und zahlreiche ätherische Öle (im Wurzelstock zwischen 1,5 und 3 Prozent). Diese wiederum bestehen beispielsweise aus Diarylhetanoiden, Zingiberen oder Gingerolen. Diese gesunde und vielseitige Zusammensetzung im Ingwer führt dazu, dass sich dieser ebenso flexibel anwenden lässt. Ein besonderes Augenmerk verdient das Gingerol, welches als bewährtes und natürliches Hausmittel gilt, das bereits seit Jahrhunderten in der asiatischen Hausmedizin genutzt wird. Der Scharfstoff Gingerol befindet sich im gesunden Ingwer sogar dreifach: das sogenannte 6-, 8- und 10-Gingerol. Mit Hinblick auf die Gesundheit ist es die 6er-Variante, welche viele positive Wirkungen auf den menschlichen Körper entfaltet. Dem 6-Gingerol wird unter anderem eine anti-entzündliche, entzündungshemmende, anti-karzinogene und immunsuppressive Wirkung nachgesagt. Antikarzinogen ist der Fachbegriff für einen anti-krebserregenden Effekt, immunsuppressiv bedeutet hingegen, dass nicht erwünschte Reaktionen und Effekte das Immunsystems gehemmt werden.

Möglicherweise hat Ingwer zudem einen hemmenden Effekt auf die Blutgerinnung. Hier fehlen jedoch erneut wiederholbare, nachprüfbare Ergebnisse aus der Wissenschaft. Bisher wird die hemmende Wirkung vor allem aus einzelnen Fallberichten abgeleitet. Ingwer entfaltete in diesen Fallberichten eine blutungshemmende Wirkung, wenn er entweder einzeln oder als Bestandteil einer Cumarin-Therapie genutzt wurde. Ein definitiver Zusammenhang zwischen den auftretenden Wechselwirkungen lässt sich aufgrund der geringen Menge an Daten aber bisher nicht zweifelsfrei herstellen. Das liegt unter anderem daran, dass gegensätzliche Fallberichte ein anderes Bild zeichnen. In diesen wird dem Ingwer nicht eine hemmende, sondern eine steigernde Wirkung nachgesagt - mit dem Ergebnis, dass sich das Blutungsrisiko erhöht. Vor allem bei Patienten, die unter Blutungsneigung leiden, blutverdünnende Medikamente einnehmen oder allgemein als Bluter diagnostiziert sind, sollte eine Einnahme daher sicherheitshalber mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden. Gleiches gilt immer auch für Schwangere, da Ingwer mitunter Wehen auslöst.

Ebenfalls lassen sich in der Wissenschaft bereits bewiesene Ergebnisse zur hemmenden Wirkung des Enzyms Cyclooxygenase finden. Dieses Enzym hat im Körper eine schmerzauslösende Wirkung, das Ergebnis sind unter anderem Kopf- oder Gliederschmerzen. Weil Gingerole dieses hemmen, kommt dem Ingwer in direkter Form also auch eine schmerzlindernde Wirkung zu Teil. Insgesamt steht die Wirkung vom Ingwer, wie es bei Heilpflanzen immer der Fall ist, in direkter Wechselwirkung zu der Anwendung. Nicht immer ist die Wirkung einzelner Stoffe oder der gesamten Pflanze tatsächlich nachgewiesen, in einigen Fällen existiert aber tatsächliche wissenschaftliche Evidenz. Die spezifische Wirkung kann sich in der Intensität zudem erheblich zwischen einzelnen Menschen unterscheiden, was es bei der Anwendung des Hausmittels immer zu berücksichtigen gilt. So spielt vor allem der Placebo-Effekt eine große Rolle, welcher die gefühlte Intensität steigern kann, auch wenn die Evidenz diese Wirkung nicht unterstützt.

Aus der Wirkung einzelner Inhaltsstoffe resultierende Anwendungsbeispiele

Eine heilende Wirkung vom Ingwer ist unumstritten, nicht immer lässt sich aber exakt beziffern, anhand der vorhandenen Evidenz, welches tatsächliche Ausmaß diese Wirkung einzelner Inhaltsstoffe erreichen kann.

Häufig wird Ingwer als Hausmittel gegen Übelkeit und Erbrechen genutzt. Das wird unter anderem durch das offizielle europäische " European Scientific Cooperative on Phytotherapy" Institut, kurz ESCOP, unterstützt. Grund ist die antiemetische Wirkung, welche auf direkte Art und Weise auf den Magen-Darm-Trakt einwirkt. Hierfür ist direkt das 6er-Gingerol verantwortlich. Zum aktuellen Zeitpunkt findet eine weitere Debatte statt: ein Antagonismus von Serotonin Typ 3 Rezeptoren. Ingwer soll demzufolge neben dem bewiesenen Effekt auf klassische Beschwerden im Magen-Darm-Trakt, wie eben Übelkeit und Erbrechen, auch eine positive Wirkung auf postoperative Behandlungen haben. Im Volksmund wird Ingwer zudem häufig Wirksamkeit gegenüber Flug- oder Seekrankheit nachgesagt. Tatsächliche Beweise für eine existente Wirkung liegen aber bestenfalls geringfügig vor. Bewiesen ist hingegen, dass Ingwer keinen nachweislichen Effekt auslöst, wenn die Übelkeit und das Erbrechen durch eine Schwangerschaft ausgelöst werden. Dieser "Tipp" für Schwangere ist, sofern er für Linderung sorgt, ausschließlich auf einen Placebo-Effekt zurückzuführen.

Im Magen-Darm-Trakt wird Ingwer zudem eine hemmende Wirkung auf das Bakterium Helicobacter pylori nachgesagt, welches sich normalerweise unmittelbar an der Schleimhaut des Magens finden lässt. Durch die Hemmung von diesem Bakterium kann Ingwer beispielsweise bei Verdauungsproblemen oder Durchfall eingesetzt werden. Viele Homöopathen schwören aus dem gleichen Grund auch auf Ingwer als Mittel zur Magenkrebsvorsorge. Hier fehlt bisher aber tatsächliche wissenschaftliche Evidenz, um diese Wirkung zu unterstreichen oder zu widerlegen.

Bereits im Abschnitt zur Wirkung wurde außerdem auf die hemmende Wirkung auf das Enzym Cyclooxygenase eingegangen. Ingwer nimmt in dieser Situation, bei leichten bis milden Schmerzen, einen ähnlichen Effekt wie beispielsweise Acetylsalicylsäure ein - diese wird wiederum in Schmerzmitteln wie Aspirin verwendet. Folglich wird Ingwer gern auch bei "Alltags-Schmerzen" empfohlen, also solche, die nicht direkt auf eine medizinische Diagnose oder unter Umständen eine Erkrankung beziehungsweise OP zurückzuführen sind. Vor allem bei leichter Migräne, Verspannungen im Rücken, Kopfschmerzen oder Halsschmerzen verspricht der Ingwer schnelle Linderung. In diesem Fall empfehlen sich entweder verarbeitete Bonbons beziehungsweise Dragees oder direkt Ingwertee beziehungsweise mit Ingwer versetztes Wasser. Das gehemmte Enzym sorgt unter anderem auch bei Rheuma für akute Schmerzen. Folglich kann Ingwer beispielsweise bei Arthritisleiden genutzt werden, um die Symptome zu lindern. Da das Cyclooxygenase-2 gehemmt wird, tritt weiterhin sekundär eine Hemmung existenter Entzündungen auf, welche wiederum für Schmerzen verantwortlich sind. Aus dem identischen Grund wird Ingwer auch häufig von Leistungs- oder Kraftsportlern genutzt, um die Auswirkungen eines Muskelkaters in Grenzen zu halten.

Ergänzend soll hier zudem nicht unerwähnt bleiben, dass die Knolle nicht nur beim Menschen, sondern auch beim Tier eingesetzt wird. Speziell in Deutschland ist Ingwer vielerorts ein Bestandteil der Pferdefütterung, um unter anderem die Leiden der Arthrosen zu lindern oder als natürliches Heilmittel bei Entzündungen zu fungieren. Die Bitterstoffe Shogaol und natürlich erneut die Gingerole sorgen für diesen Effekt, welcher bei vielen Tieren ebenso auftritt wie auch beim Mensch. Speziell in Japan sagt man dem Ingwer außerdem einen positiven Effekt auf die Libido nach, auch wenn eindeutige wissenschaftliche Ergebnisse hierzu fehlen.

Verarbeitung von Ingwer in der Praxis

Ingwer kann auf verschiedene Art und Weise verarbeitet werden, eine Anwendung in der Reinform ist bestenfalls in geringem Maße als Gewürz in der Küche denkbar, nicht aber als Haus- oder Heilmittel. Sehr häufig wird das gesunde Heilmittel als Ingwertee oder Ingwerwasser produziert, welche sowohl in der kalten Jahreszeit als auch im Sommer genutzt werden. Für eine Behandlung ähnlich denen der ätherischen Öle empfiehlt sich ein höher konzentriertes Ingweröl, welches unter anderem auch auf die Schläfen aufgetragen werden kann, beispielsweise bei Migräne oder Kopfschmerzen. Ebenso häufig ist Ingwer kandiert, um den scharfen Geschmack zu lindern. Auch als Bonbons oder seltener als Kapseln findet sich der Ingwer am Markt. Die Bonbons verfügen in der Regel über einen recht scharfen Geschmack und sollten daher in moderater Form zugeführt werden. Der Ingwer besitzt dann entweder eine leicht teerartige, klebrige Konsistenz oder ist als festes Bonbon kandiert. Sehr selten wird Ingwer zudem in Süßigkeiten verwendet, die beispielsweise Kindern bei Erkältungen gegeben werden könnten. Selten deshalb, weil der natürliche Geschmack des Ingwers nicht jeder Person zusagt und er sich als reiner "Snack" nicht empfiehlt.

Studien zur medizinischen (Un-)Wirksamkeit von Ingwer

Wie bereits eingangs erwähnt, existieren zahlreiche wissenschaftliche Erkenntnisse zum Ingwer. Eine Vielzahl davon untermauert den Ingwer als ein wirksames und von Nebenwirkungen weitestgehend befreites Hausmittel, welches bei einigen speziellen Erkrankungen und vor allem bei alltäglichen Beschwerden eingesetzt werden kann. Eine Studie der Universität Sydney (hier zu finden) enthält eine eindeutige Evidenz, welche belegt, dass die Scharfstoffe einen positiven Effekt auf die Aufnahme von Glukose in den Muskeln haben. Davon profitieren einerseits Sportler und andererseits Diabetiker, welche damit ihren eigenen Blutzuckerspiegel senken können, weil mehr und effizienter Glukose vom Körper aufgenommen und verarbeitet wird.

Im Jahr 2013 wurde zudem eine weitere Studie vom Deutschen Krebshilfe e.V. erhoben (hier nachzulesen). In dieser wird festgestellt, dass die Inhaltsstoffe einen positiven Effekt auf die Durchblutung und den Stoffwechsel haben, außerdem unterstreicht die Studie erneut die Annahme, dass der Ingwer einen hemmenden Effekt auf Blutungen hat. Zudem liefert die Studie Evidenz für die virustatische und antibakterielle Wirkung. Die Studie wurde speziell im Zusammenhang mit Menschen getestet, welche sich zu diesem Zeitpunkt entweder einer Chemotherapie unterzogen haben oder sie kürzlich bereits abgeschlossen hatten. Ingwer wurde speziell als linderndes Hausmittel für die typischen Nebenwirkungen einer Chemotherapie herangezogen, darunter beispielsweise Übelkeit, ein geschwächtes Immunsystem, einen mangelhaften Stoffwechsel oder häufiges Erbrechen.

In einer Fachpublikation aus dem Jahr 2007 (Free Radic Res. Mai) wurde die positive Wirkung von dem 6-Gingerol belegt. Die Publikation nutzt den Ingwer im speziellen Zusammenhang mit Rheuma und Arthrose, um unter anderem Entzündungen zu lindern beziehungsweise zu hemmen und damit zugleich auch zu einer Absenkung von Schmerzzuständen zu führen. Im Zusammenhang mit einer Linderung der Beschwerden des Fliegens oder auf hoher See existieren ebenfalls mehrere Studien, welche jedoch nicht zwingend ein tatsächlich eindeutiges Bild zeichnen. Eine in Dänemark erhobene Studie kam zu dem Schluss, beim Test von insgesamt 80 erfahrenen Probanden, dass lediglich ein geringfügig verbesserter Effekt im Vergleich zu einem wirkungslosen Placebo auftrat. Die Probanden wussten jeweils nicht, ob sie Ingwer oder einen Placebo bekommen haben. Eine ähnliche Studie wurde in den USA an der Brigham Young Universität durchgeführt. Insgesamt 12 Studenten erhielten ein Placebo, 12 getrockneten Ingwer und wiederum 12 ein erwiesenes chemisches Medikament gegen Seekrankheit. Ingwer erzielte hier die besten Ergebnisse und konnte damit sogar das Medikament übertreffen. Die Gruppe mit den Placebos litt unter starker Seekrankheit, bereits nach kurzer Zeit, während die Medikamenten-Gruppe moderate Übelkeit nach einiger Zeit erfuhr. Die Ingwer-Gruppe konnte den vollen Test durchlaufen, teilweise ohne auftretende Übelkeit. Die Studie wurde im "The Ginger Book" vom Autoren Dr. Stephen Fulder veröffentlicht.

Für eine Wirkung gegen die Symptome einer Schwangerschaft existieren hingegen keine wissenschaftlichen Belege. Getestet wurde die Wirkung vom Ingwer hier in der Publikation von Jewell und Young im Jahr 2003.

Ist Ingwer tatsächlich ein natürliches Antibiotikum?

Im Fazit lässt sich nicht abstreiten, dass Ingwer tatsächlich ein erwiesenes, wirkungsvolles und von Nebenwirkungen quasi befreites Hausmittel darstellt. Den Rang von einem echten Antibiotikum kann die Heilpflanze aber nicht erreichen, stattdessen versteht sie sich vor allem als linderndes Mittel bei klassischen Erkrankungen und leichten Beschwerden. Auch wenn der Ingwer bereits seit Jahrzehnten in Europa und sogar seit Jahrhunderten im asiatischen Raum zum Einsatz kommt, sind die wissenschaftlichen Erkenntnisse aber nach wie vor überschaubar und kommen zudem nicht immer zum exakt gleichen Schluss. Wer Sorgen hat oder sich der Wirksamkeit und eventuellen Wechselwirkungen nicht sicher ist, sollte vor der regelmäßigen Einnahme seinen Arzt konsultieren. Ansonsten empfiehlt es sich bei Erkrankungen wie Kopfschmerzen, Migräne, Übelkeit, Rheuma und Co aber durchaus, die alternative Heilmethode einmal ergänzend anzuwenden. Wie immer ist dieses natürliche Hausmittel aber nicht als Ersatz für den Gang zum Experten zu verstehen. Ärztlicher Rat sollte bei länger anhaltenden, nicht diagnostizierten Beschwerden immer eingeholt werden.