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Flohsamen - Anwendung, Wirkung und Studien

Flohsamen: natürliche Experten für einen gesunden Darm

Nein, Sie müssen keine Sorge haben, dass Ihnen rund um wertvolle Nahrungsergänzungsmittel nun auch noch die regelmäßige Einnahme von Flöhen empfohlen wird. Für den Namen der kleinen Flohsamen beziehungsweise Flohsamenschalen gibt es nur gleich zwei humorvolle Ursachen: Zum einen haben sie ihre Bezeichnung deshalb, weil sie wegen ihrer länglichen Form und der charakteristischen rotbraunen Färbung an die Flöhe erinnern. Zum anderen aus dem Grund, weil die Samen bei reifer Frucht zwecks Verbreitung und Vermehrung aus der Kapsel zu hüpfen scheinen. Doch es handelt es sich trotz aller flohähnlichen Eigenschaften um ein rein pflanzliches Produkt, das sich in der Naturheilkunde vor allem in der Behandlung von Beschwerden im Magen-Darm-Trakt einen festen Stellenwert erobert hat.

Der folgende Beitrag trägt für Sie alles Wissenswerte rund um die natürlichen Gesundheitsexperten zusammen. Sie erhalten Informationen über die Herkunft und das Aussehen der Samen und welche Inhaltsstoffe sich in der winzigen Hülle tummeln. Anschließend entdecken Sie alles Wichtige über die heilsamen Effekte der Flohsamen und über Studien, die diese Wirkungen eindrucksvoll belegt haben. Zuguterletzt gibt es hilfreiche Tipps für die richtige Anwendung des Naturprodukts, das zu den Klassikern der pflanzenbasierten Medizin gehört.

Europäische oder weitgereiste Variante

Man kann getrost sagen, dass die Flohsamen beziehungsweise die Flohsamenschalen nicht nur im menschlichen Körper eine kleine Erfolgsstory hingelegt haben, sondern sich auch quasi rund um den Erdball einen festen Platz erobert haben. Das liegt an den widerstandsfähigen Pflanzenarten, die die gesunden Samen produzieren.

Allen voran ist Plantago ovata, die indische Flohsamenpflanze, zu nennen. Ursprünglich im nördlichen Afrika und in Südwestasien beheimatet ist die krautige Pflanzenform aus der Familie der Wegeriche verglichen mit ihrer ausgesprochen bedeutsamen Wirkung in der Optik eher unscheinbar: Aus einer zackig angeordneten Rosette aus grünen Blättern wachsen etwa zehn Zentimeter hohe, fein behaarte Stängel heraus, an deren Spitze sich die weißen Ähren befinden. Die Samen befinden sich in den Fruchtkapseln und können je nach Pflanzentyp von Gelb bis zu Rotbraun gefärbt sein. Für ihr Wachstum benötigt die Pflanze eine regelmäßige Wasserversorgung, ansonsten ist sie recht anspruchslos, was ihre beeindruckende Verbreitung in viele Erdteile begründet. Heute findet man die Mutter der Flohsamen auf allen fünf Kontinenten, aber mit dem Schwerpunkt auf Pakistan und Indien.

Heutzutage ist es aufgrund der logistischen Errungenschaften der modernen Welt selbstverständlich kein Problem mehr, Flohsamen aus allen Winkeln der Erde zu gewinnen und zu transportieren. Wenn man jedoch bedenkt, dass das Naturprodukt schon vor 2000 Jahren zur Anwendung kam und zum Beispiel die griechischen Ärzte keine Kosten und Mühe scheuten, die Flohsamen für ihre Heilkunst zu besorgen, wird deutlich, welchen Nutzen die unscheinbare Pflanze schon damals in der Medizin hatte.

Der Stellenwert der Flohsamen ist bis heute ungebrochen. Und man muss nicht unbedingt die Samen der indischen Heilpflanze verwenden, auch wenn man diese problemlos, zum Beispiel in Apotheken, Reformhäusern oder Drogerien, bekommen kann. In Mitteleuropa ist für Probleme im Darmbereich und auch einige andere Beschwerden der Flohwegerich zuständig, der die gleichen Wirkungen wie sein indischer Pflanzen-Kollege besitzt.

Flohsamen: Inhaltsstoffe in Hülle und Fülle

Betrachtet man einen winzigen Flohsamen, ahnt man auf den ersten Blick nicht, wie viele wertvolle Stoffe die kleinen Samen mitbringen. Dabei geht es jedoch nicht nur um das Innenleben der Flohsamen. Auch die Hülle, die sogenannten Flohsamenschalen, bergen Inhaltsstoffe, die auf den Organismus wohltuende Wirkungen aufweisen. Die Wirkweise wird im nächsten Abschnitt noch eingehend erläutert. An dieser Stelle gibt es zunächst einen Überblick über die einzelnen Stoffe und deren grundlegende Wirkung.

Im Hinblick auf eine gesunde Funktion des Verdauungstraktes werden die Flohsamen häufig als Ballaststoffe der Nahrung zugesetzt. Dies ist sinnvoll, weil sich die Flohsamenschalen durch eine ausgezeichnete Quellfunktion auszeichnen, die ihnen eine Vielfaches ihres ursprünglichen Volumens geben. Zudem punkten die Samen durch einen hohen Anteil von Schleimstoffen, der beim indischen Plantago mit bis zu 30 Prozent etwas höher ist als bei den europäischen Pflanzengattungen, die es immerhin auf über zehn Prozent bringen. Auch diese Schleimstoffe sind wertvoll für die Darmfunktion und haben darüber hinaus noch eine reizlindernde Aufgabe. In der Schale befinden sich zudem Flavonoide, die für ihre antioxidative und damit vorbeugende Wirkung bekannt sind.

Kalorienbomben sind die kleinen Flohsamen dagegen ganz bestimmt nicht - im Gegenteil: 100 Gramm der kleinen Gesundheitsexperten bringen es gerade einmal auf 21 Kalorien. Der Ballaststoffanteil ist mit weit über 80 Prozent riesig und macht die kleinen Samen zu den beeindruckenden Quellwundern. Der Fett- und Kohlenhydratanteil ist verschwindend gering. Interessant sind die Flohsamen im Hinblick auf das enthaltene Eiweiß, das mit einem Anteil von über zwei Prozent vorhanden ist und damit einen guten Beitrag zur Versorgung des Körpers mit wichtigen Proteinen leistet. Auch für Diabetiker sind die Flohsamen eine wertvolle Option, da sie mit nur 0,14 Broteinheiten (BE) zu Buche schlagen.

Flohsamen - Spezialisten nicht nur für den Darm

Den Flohsamen kann man wirklich mit Recht als ausgesprochenen Darmexperten bezeichnen. Denn im Gegensatz zu vielen chemischen Medikamenten, die zum Beispiel entweder gegen Verstopfung oder gegen Durchfall helfen, kann der pflanzliche Spezialist für den Verdauungstrakt gegen beide Probleme angehen. Dieser beispiellose Effekt bei Durchfallerkrankungen ist eng mit der guten Quellfunktion der Flohsamen beziehungsweise ihrer Schalen verbunden. Im Darm befindliche Flüssigkeiten werden bei der Passage einfach aufgesogen. Dies ist gleich mit einem doppelt positiven Effekt verknüpft. Zum einen reguliert sich die Stuhlkonsistenz auf ganz natürliche Weise wieder auf ein normales Maß, zum anderen können Viren oder Bakterien, die zum Durchfall (Diarrhoe) geführt haben, auf diese Weise gleich schonend aus dem dem Darm heraustransportiert werden. Übrigens ist eine Flohsamenkur auch eine gute Möglichkeit, nach einer Therapie mit Antibiotika die gestörte Darmflora wiederherzustellen. Durch die reizlindernden Eigenschaften des Flohsamens ist die Anwendung prinzipiell auch bei den entzündlichen Darmerkrankungen wie etwa Morbus Crohn möglich.

Die Verstopfung, die bei vielen Menschen oft schon zu einem chronischen Zustand geworden ist, reguliert sich vor allem über den hohen Ballaststoffanteil der Flohsamen sowie über die in ihnen enthaltenen Schleimstoffe und Öle: Zum einen wird dadurch der Stuhl voluminöser oder durch den Wassergehalt auch lockerer, sodass die Darmpassage und die Stuhlentleerung deutlich verbessert werden. Zum anderen sorgen die schleimigen Bestandteile dafür, dass sich die Darmpassage verkürzt und daher unangenehme Beschwerden wie Völlegefühl und Blähungen reduziert oder gar beseitigt werden können.

Gerade mit Verstopfung (Obstipation) sind bei zahlreichen Menschen auch Enddarmprobleme verbunden. Durch den für die Verstopfung typischen harten Stuhl ist zum einen oft ein starkes Pressen nötig, das Hämorrhoiden-Erkrankungen fördert. Außerdem kann der harte Stuhlgang auch zu kleinen Schleimhautrissen bei der Entleerung führen. Diese (Anal-)Fissuren bluten und schmerzen oft stark. Eine ballaststoffreiche Ernährung mit einer ausreichenden Flüssigkeitsmenge ist hier hilfreich, sodass der Einsatz der Flohsamen auch bei diesen Beschwerden ideal ist. Auch für Patienten mit Divertikeln (Ausstülpungen des Darms) ist die Flohsamenanwendung zur Stuhlregulierung oft sinnvoll.

Viele Menschen leiden unter Darmbeschwerden wie Schmerzen, Blähungen und einem Wechsel aus Verstopfung oder Durchfall, für das auch nach ausführlicher Diagnostik keine medizinische Ursache zu finden ist. Dieses Erkrankungsbild wird als Reizdarmsyndrom bezeichnet. Auch hier haben die schonenden und reizlindernden Flohsamen beziehungsweise Flohsamenschalen eine nachgewiesene positive Wirkung auf die Beschwerden und sorgen so für mehr Lebensqualität.

Flohsamen sind auch zur Vorbeugung und begleitenden Therapie von charakteristischen Erkrankungen geeignet, die oft eng in Zusammenhang mit dem nicht immer gesunden modernen Lebenswandel stehen. Allen voran ist hier das Übergewicht zu nennen, das nicht nur die inneren Organe beziehungsweise Gefäße negativ beeinflusst, sondern auch den Rücken und die Gelenke belasten sowie die Immunabwehr herabsetzen kann. Durch die aufquellende Wirkung sorgen die kalorienarmen Flohsamen für eine rascheres Sättigungsgefühl bei der Nahrungsaufnahme und sind daher auch im Rahmen von Diäten ohne jeden Gewöhnungseffekt einsetzbar.

Darüber hinaus haben die Flohsamenpräparate die Eigenschaft, Cholesterin im Körper zu binden und nach außen zu befördern. Durch die natürliche Senkung der Blutfettwerte, die nicht selten chemische Medikamente zumindest zum Teil ersetzen kann, kann beispielweise der Verkalkung von Gefäßen und ihren Spätfolgen wie etwa dem Schlaganfall oder Herzinfarkt vorgebaut werden. Bewiesen ist mittlerweile auch der günstige Effekt der Flohsamen für Diabetiker. Sie bewirken eine reduzierte und zudem verzögerte Aufnahme von Zucker über den Körper. Dies schont die Bauchspeicheldrüse und hilft dabei, den Blutzuckerspiegel des Diabetikers im erwünschten Rahmen zu halten.

Wirkungen durch Flohsamenschalen eindrucksvoll bewiesen

Die Effekte, die Flohsamen auf den Organismus haben, sind gut untersucht und in zahlreichen Studien belegt. Dies führt dazu, dass die bootförmigen Samen durchaus auch von Schulmedizinern empfohlen werden, wenn ihre Patienten zum Beispiel chronische Darmprobleme haben. Auch wenn es um eine Gewichtsabnahme geht, ist der Flohsamen eine gesunde Alternative zu den oft mit Nebenwirkungen verbundenen Abführmitteln.

Die Wirksamkeit von Flohsamenschalen bei Verstopfung wurde eindrucksvoll von der europäischen Arzneimittelagentur bestätigt. Die in London ansässige Organisation hatte im Rahmen einer Metaanalyse verschiedene Studien der Jahre 1966 bis 2003 herangezogen und den Pflanzensamen den Status eines "EU Herbal Monograph" gegeben.

Der positive Effekt des Flohsamens auf Patienten mit Reizdarmsyndrom wurde an der Universität Utrecht. Die Niederländer untersuchten dabei, wie sich die Beschwerden nach einer dreimonatigen Einnahme von Flohsamen verbesserten. Eine Kontrollgruppe von Reizdarmpatienten erhielt in der gleichen Zeit Kleie. Während die Flohsameneinnahme bei 90 Prozent der Patienten eine deutliche Verbesserung herbeiführte, berichteten dies nur 58 Prozent der Teilnehmer aus der Kontrollgruppe.

Auch der Zusammenhang zwischen Flohsamen und der Verbesserung der Symptome bei Diabetes ist belegt. Unter anderem macht dies eine im Jahr 1998 veröffentlichte spanische Studie deutlich. Hier konnte gezeigt werden, dass Patienten, die zu ihrer herkömmlichen Therapie Flohsamen einnahmen, von einer signifikanten Senkung ihrer Blutzucker-, aber auch ihrer Blutfettwerte profitierten. Ebenfalls eine spanische Studie war es übrigens, die im Jahr 2009 einen spannenden Zusammenhang zwischen Flohsameneinnahme und Darmkrebserkrankungen anführte.

All denjenigen, die die Flohsamen im Rahmen einer gesunden Ernährung sowie zur Gewichtsabnahme einsetzen wollen, finden ebenfalls eine motivierende Studienlage vor. Die Senkung des Cholesterinspeigels durch Flohsamenprodukte ist schon in zahlreichen Studien nachgewiesen worden. Ebenfalls wurde an übergewichtigen Patienten untersucht, ob sich ein positiver Effekt von Flohsamen im Kampf gegen überflüssige Pfunde zeigt. Hier kam als Ergebnis heraus, dass die Testpersonen über den Zeitraum von 16 Wochen nicht nur deutlich an Gewicht verloren, sondern auch mit weniger Sättigungsgefühl zu kämpfen hatten.

Richtige Einnahme ist wichtig

Auch ein erfreulich nebenwirkungsarmes Naturprodukt wie Flohsamen oder deren Schalen muss richtig eingenommen werden, um seine Wirkung zu entfalten. Es spielt dabei keine Rolle, ob es sich um die Hilfe im Akutfall (zum Beispiel Durchfall), um ein chronisches Leiden (zum Beispiel Reizdarm) oder eine prophylaktische kurmäßige Einnahme handelt.

Flohsamen müssen quellen. Dies ist die Grundlage für ihre Wirkweise als Ballaststoffe. Somit werden die Samen vor der eigentlichen Einnahme erst einmal in ein Glas Wasser gegeben, um genügend Flüssigkeit aufzusaugen. Anschließend können die geschmacksneutralen Samen entweder mit Wasser getrunken, können aber auch beispielsweise in einen Joghurt eingerührt werden. Wichtig ist es grundsätzlich, genug Flüssigkeit zu sich zu nehmen, damit die Flohsamen ihre quellende Eigeschaft auch im Körper weiterführen können.

Als Faustregel reichen schon etwa zwei oder drei Mal pro Tag 10 g Flohsamen auf 100, besser 200 ml Wasser (keine Milch!), um die wohltuenden Effekte, beispielweise bei Verstopfung oder Hämorrhoiden, anzukurbeln. Angst vor einer plötzlichen abführenden Wirkung braucht der Anwender übrigens nicht zu haben. Im Gegensatz zum oft plötzlichen Wirkungseintritt chemischer Abführmittel, hilft Flohsamen sehr sanft und ist daher auch für Kinder oder Senioren gut geeignet. Ein plötzliches Rennen zur Toilette muss nicht befürchtet werden.

Im Rahmen einer kurmäßigen Anwendung - etwa zur Darmsanierung oder einfach nur, wenn man sich etwas Gutes tun möchte - können 40 g Flohsamen auf acht Einzelgaben verteilt und natürlich ebenfalls mit Wasser eingenommen werden.

Schonend und effizient

Das Fazit rund um die Pflanze mit den heilsamen Samen: Die Flohsamen helfen bei regelmäßiger Anwendung meist zuverlässig und sind dabei schonend und quasi nebenwirkungsfrei. Der Hauptschwerpunkt der Wirkungen liegt sicherlich im Darm, aber rund um die Gewichtsabnahme, zur Senkung von Cholesterin und Blutzucker und bei der Diabetes-Therapie hat der Flohsamen ebenfalls einen festen Stellenwert erobert. Die Wirksamkeit ist vielfach durch Studien belegt und beweist die Effizienz der natürlichen Pflanzenmedizin.

Die Flohsamen und deren Schalen sind frei verkäuflich erhältlich. Flohsamen, eingenommen aus präventiven Gründen oder bei kleineren gesundheitlichen Problemen wie einem einmaligen Durchfallereignis, sind ein probates Mittel. Wer plant, die Samen zur begleitenden Therapie einer bestehenden Erkrankung wie beispielweise Morbus Crohn oder Diabetes mellitus einzusetzen, sollte das auf jeden Fall mit dem behandelnden Arzt absprechen. Das gilt auch dann, wenn sich chronische Beschwerden wie eine dauerhafte Verstopfung durch die Flohsamenanwendung nicht beseitigen oder zumindest lindern lassen. Achtung: Bei Verdacht auf Darmverschluss dürfen Flohsamen nicht eingenommen werden!